„Auch eine einzelne Wohnung kann viel bewirken“
Im März 2026 haben die Stadt Hamburg und die Verbände der Wohnungswirtschaft das vierte Bündnis für das Wohnen in Hamburg unterzeichnet. Der Bündnisvertrag nimmt ausdrücklich auch Menschen mit erschwertem Zugang zum Wohnungsmarkt in den Blick. Dazu zählen insbesondere vordringlich Wohnungssuchende – und damit Menschen, die wohnungs- oder obdachlos sind. Die Benno und Inge Behrens-Stiftung arbeitet seit vielen Jahren mit dieser Zielgruppe. Im Interview erklären die Vorstände Reiner Schäfer und Uwe Lunk, was Wohnungsunternehmen konkret dazu beitragen können und wie eine Zusammenarbeit mit der Stiftung funktioniert.
Herr Schäfer, Herr Lunk, was sieht der neue Bündnisvertrag für vordringlich wohnungssuchende Haushalte vor?
Reiner Schäfer: Der Vertrag enthält mehrere Ansätze. Bei größeren geförderten Bauvorhaben soll ein Teil der Wohnungen für vordringlich Wohnungssuchende vorgesehen werden. Bei städtischen Grundstücken kann die Stadt in Konzeptausschreibungen oder Direktvergaben Anteile für diese Zielgruppe festlegen – im Einzelfall bis zu 100 Prozent. Außerdem sollen die Förderprogramme für den Neubau und für den Ankauf von Belegungsbindungen fortgeführt werden.
Welche Rolle spielt dabei die Wohnungswirtschaft?
Uwe Lunk: : Eine zentrale. Dabei geht es nicht nur um große Neubauprojekte oder Kooperationsverträge mit der Stadt. Auch einzelne Bestandswohnungen können helfen. Für einen Menschen, der lange wohnungslos war, kann eine kleine Wohnung der entscheidende Schritt in ein stabiles Leben sein.
Welche Erfahrungen macht die Behrens-Stiftung mit dieser Zielgruppe?
Reiner Schäfer: Die Menschen, die wir in Wohnungen vermitteln, kommen in der Regel nicht direkt von der Straße, sondern haben zuvor in einem unserer Übergangswohnprojekte gelebt. Wir kennen die Personen, ihre Lebenssituation und ihren Unterstützungsbedarf also sehr genau. Das ist eine wichtige Grundlage für eine erfolgreiche Vermittlung.
Was passiert nach dem Einzug?
Uwe Lunk: Unser Tochterunternehmen, die Neue Wohnung gGmbH, übernimmt die nachgehende Wohnbegleitung. Das bedeutet: Die Mitarbeitenden halten Kontakt, besuchen die Mieterinnen und Mieter regelmäßig und unterstützen bei Alltags- und Behördenangelegenheiten. So können Fragen oder Schwierigkeiten früh erkannt und geklärt werden.
Viele Vermieterinnen und Vermieter haben Sorge, dass es zu Problemen im Mietverhältnis kommen könnte. Wie begegnen Sie diesen Vorbehalten?
Reiner Schäfer: Wir nehmen solche Vorbehalte ernst. Unsere Erfahrung zeigt aber: Ehemals wohnungslose Menschen fügen sich ebenso gut in Nachbarschaften ein wie andere Mieterinnen und Mieter. Entscheidend ist die Begleitung.
Welche Wohnungen sucht die Behrens-Stiftung konkret?
Uwe Lunk: Vor allem kleine Wohnungen mit ein bis zwei Zimmern und bis zu 50 Quadratmetern – in allen Hamburger Stadtteilen. Zwar hat die Behrens-Stiftung auch eigene Wohnungsbestände, aber daraus können wir den Bedarf nicht decken.
Wie können Wohnungsunternehmen konkret mit der Behrens-Stiftung zusammenarbeiten?
Reiner Schäfer: Der erste Schritt ist ein unverbindliches Gespräch. Wir prüfen gemeinsam, ob eine Wohnung grundsätzlich passt – etwa im Hinblick auf Größe, Lage und Miethöhe. Wenn eine Zusammenarbeit zustande kommt, begleiten wir den Prozess von der Auswahl einer geeigneten Person bis zur Begleitung des Mietverhältnisses. Die Wohnungsunternehmen haben dabei feste Ansprechpersonen.
Welche Vorteile hat die Kooperation für Vermieterinnen und Vermieter?
Uwe Lunk: Sie leisten einen konkreten Beitrag gegen Wohnungslosigkeit und bekommen zugleich professionelle Unterstützung. Die Behrens-Stiftung kennt die Perspektive der Wohnungswirtschaft, weil sie selbst Bestandshalterin und Verwalterin ist. Hinzu kommen feste Ansprechpartner, sozialarbeiterische Begleitung und ein zuverlässiges Mietenmonitoring. Je nach Fall können außerdem Fördermittel der IFB Hamburg oder das Gewährleistungspaket der Stadt infrage kommen.
Was wünschen Sie sich von der Wohnungswirtschaft?
Uwe Lunk: Offenheit für Kooperationen. Der Bündnisvertrag beschreibt den Rahmen. Jetzt geht es darum, diesen mit konkreten Handlungen zu füllen. Auch eine einzelne Wohnung kann viel bewirken.
Die Behrens-Stiftung gehörte von Anfang an zu den Unterstützern der Kampane #jedeWohnungzählt. Was hat Sie dazu bewogen?
Reiner Schäfer: Bei der Kampagne geht es um mehr Akzeptanz für den Wohnungsbau. Dieses Ziel teilen wir. Denn auch wir stellen fest, wie schwierig es ist, Vorhaben umzusetzen. Das muss sich ändern. Deshalb sind wir froh über die Kampagne und unterstützen sie gern.
Wer eine Wohnung für eine wohnungslose Person zur Verfügung stellen möchte, kann sich direkt an die Behrens-Stiftung wenden:
Benno und Inge Behrens-Stiftung
Telefon: 040 636 6300-40
R.Schaefer@behrens-stiftung.dewww.behrens-stiftung.de
Im Rahmen der Kampagne #jedeWohnungzählt! sprach Stiftungsvorstand Reiner Schäfer mit dem Vorsitzenden des BFW Landesverbands Nord, Kay Brahmst, über die Wohnraumversorgung in Hamburg: zum Video.
Bild: Reiner Schäfer und Uwe Lunk bilden den Vorstand der Benno und Inge Behrens-Stiftung
Quelle: Benno und Inge Behrens-Stiftung