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Nachgefragt bei Kay Brahmst

Bündnis für das Wohnen: neue Leitplanken für den Wohnungsbau in Hamburg

Am 18.03.2026 wurde das vierte „Bündnis für das Wohnen“ in Hamburg unterzeichnet – nach langen und intensiven Verhandlungen. Wo lagen die Knackpunkte? Welche Inhalte sind neu? Und was bedeutet die Vereinbarung für die Wohnungswirtschaft? Darüber spricht Kay Brahmst, der Vorstandsvorsitzende des BFW Landesverbands Nord.

BFW Landesverband Nord: Die Verhandlungen für das neue Bündnis für das Wohnen haben ungewöhnlich lange gedauert. Woran lag das?

Kay Brahmst: Wir hatten dieses Mal wahrscheinlich die schwierigste Ausgangssituation, die es je bei den Bündnisverhandlungen gab. Der Druck auf den Wohnungsmarkt ist enorm – politisch, medial und gesellschaftlich. Gleichzeitig sind die Kosten immens gestiegen, sodass wir eigentlich keine Spielräume mehr haben. Hinzu kommen sehr ehrgeizige Vorgaben beim Klimaschutz. Diese Gemengelage hat die Gespräche deutlich komplexer gemacht.

Wo lagen die größten Konfliktpunkte in den Verhandlungen?

Im Kern waren es drei Themen: Erstens der Umgang mit öffentlichen Flächen – also die Frage von Verkauf versus Erbbaurecht. Zweitens das Mietrecht. Und drittens der Klimaschutz im Gebäudebestand. Das waren die dicksten Bretter, die wir bohren mussten.

Was unterscheidet die neue Bündnisvereinbarung konkret von den vorherigen?

Das sichtbarste Ergebnis ist sicherlich die Vereinbarung, dass künftig wieder 35 Prozent der öffentlichen Flächen verkauft werden können. Das ist ein wichtiger Punkt für Investitionen. Der größte Unterschied liegt aber im Weg zum klimaneutralen Gebäudebestand. Hier haben wir einen echten Paradigmenwechsel vereinbart: weg von der isolierten Betrachtung einzelner Gebäude hin zur CO₂-Reduktion über eine dekarbonisierte Energieversorgung. Das verändert die Herangehensweise grundlegend. Auch beim Mietrecht gibt es Fortschritte. Wir haben deutlich gemacht, dass immer neue Regulierungen Investitionen eher verhindern als fördern. Und: Die Warmmiete rückt stärker in den Fokus. Das ist überfällig.

Die Betriebskosten gewinnen also an Bedeutung?

Absolut. In den vergangenen Jahren wurde immer nur auf die Kaltmiete geschaut. Aber auch die Betriebskosten sind, teilweise auch durch frühere Anforderungen, massiv gestiegen. Deshalb ist es wichtig, dass neue Maßnahmen auch dahingehend überprüft werden, wie sie sich auf die Betriebskosten auswirken. Das muss bereits frühzeitig im politischen Diskurs beachtet werden.

Ist das Bündnis aus Ihrer Sicht ein Erfolg für die Branche?

Auf jeden Fall. Der größte Erfolg ist, dass wir weiterhin im Gespräch bleiben. Wir haben einen gemeinsamen Rahmen geschaffen, in dem wir die zentralen Themen weiter verhandeln können.

Natürlich wissen wir: Die Politik entscheidet nicht immer in unserem Sinne. Aber mit der neuen Vereinbarung haben wir die Leitplanken für die nächsten Jahre gesetzt.

Ein zentrales Ziel bleibt der Bau von 10.000 Wohnungen pro Jahr. Ist das realistisch?

Kurz gesagt: nein – zumindest nicht kurzfristig und nicht bei den Fertigstellungen. Aber bei den Baugenehmigungszahlen könnte es in den nächsten Jahren klappen, wenn wir weiterhin an einem Strang ziehen. Denn klar ist: Die Herausforderungen im Wohnungsbau meistern wir nur gemeinsam.

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