Bautätigkeit

Baugenehmigungen 1. Halbjahr 2015

Wohnungsbau-Dynamik bleibt auf niedrigem Niveau

Von Januar bis Juni 2015 wurde in Deutschland, sowohl im Neubau als auch im Bestand, der Bau von 140.037 Wohnungen genehmigt. Das waren 2,3% oder rd. 3.200 Wohnungen mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit setzt sich das Wachstum bei den Baugenehmigungen zwar fort, ist aber auf deutlich niedrigerem Niveau als noch im ersten Halbjahr 2014. Damals betrug der Zuwachs ggü. dem Vorjahr noch 9,6%. Durch die derzeitig herrschenden Rahmenbedingungen und infolge des hohen Zuzuges durch Zuwanderer und Flüchtlinge, gerade in die Ballungszentren mit ohnehin bereits angespannten Wohnungsmärkten, steigt die Wohnungsnachfrage weiter beträchtlich an. Unter den gegenwärtigen Voraussetzungen sind die aktuellen Baugenehmigungszahlen viel zu gering.

Baugenehmigungen_1HJ_2015_VERIm dringend notwendigen Wohnungsneubau wurden im ersten Halbjahr 120.569 Wohnungen genehmigt, das entspricht nur einem leichten Plus ggü. dem Vorjahreszeitraum von 1,6%. Getragen wird die Entwicklung durch den Mehrfamilienhausbau, hier wurden 4,5% mehr Wohnungen genehmigt (+2.640 WE). Immer noch auf sehr niedrigem Niveau verharren die Baugenehmigungen von Einfamilienhäusern, mit einem Zuwachs von nur 0,9% (+420 WE). Die Genehmigungen von Zweifamilienhäusern zeigen hingegen weiterhin eine negative Entwicklung auf. So wurden in diesem Segment des Wohnungsneubaus 4,3% (-436 WE) weniger Wohnungen genehmigt, als noch im Vorjahreszeitraum. Ebenfalls weniger Baugenehmigungen entfielen auf Eigentumswohnungen. Hier betrug der Rückgang 5,9% (-1.948 WE) ggü. dem Vorjahreszeitraum.


Baugenehmigungen / Baufertigstellungen noch immer unter den Werten von 2006.

Bundesweit konnten wir in 2014 einen weiteren Anstieg der Baufertigstellungen feststellen. Allerdings kommen diese von einem niedrigen Niveau und liegen immer noch unter den Werten von 2006. Bei der Betrachtung der Baugenehmigungen fällt auf, dass die Dynamik gegenüber den Vorjahreszeiträumen etwas abflacht. Vor dem Hintergrund eines erheblichen Nachholprozesses durch geringe Baufertigstellungen in den Krisenjahren und eines zusätzlich erhöhten Bedarfes aufgrund der sich ändernden demografischen Situation sowie veränderter Haushaltsgrößen sind die Baufertigstellungen immer noch zu gering und die Entwicklung darf jetzt nicht ins Stocken geraten.


ARGE-Studie „Optimierter Wohnungsbau“

Baukostenverteilung hat sich verschoben

In der vom BFW mit beauftragten ARGE-Studie “Optimierter Wohnungsbau” konnte eine Verschiebung der Baukostenverteilung zwischen den Rohbau- und Ausbaukosten nachgewiesen werden. Während im Jahr 2000 noch rund 54 Prozent auf die Rohbaukosten (46 Prozent Ausbaukosten) entfielen, hat sich die Situation im Jahr 2014 ins Gegenteil verschoben; im Jahr 2014 lag der Kostenanteil der Ausbaukosten bei 54 Prozent und der Rohbauanteil bei 46 Prozent. Bei der weiteren Betrachtung der Kostenbenchmarks ergeben sich derzeit für das entwickelte Typenhaus Grundkosten von 1.432 Euro/m² Wohnfläche. Mit der Erweiterung durch die gängigen zusätzliche Anforderungen oder Auflagen von Kommunen wie Kellergeschoss, Tiefgarage, Aufzugsanlagen, Baustellenlogistik, Außenanlagen und Baunebenkosten ergeben sich jedoch durchschnittliche Gesamtkosten von 2.422 Euro/m² Wohnfläche ohne Grundstückskosten. Ohne eine Reduzierung dieser Kosten, durch Reduzierung der Auflagen oder Änderung der steuerlichen Rahmenbedingungen sind Neubaumieten unter 11 EUR/qm Wohnfläche in den Ballungszentren nicht vorstellbar, so ein Ergebnis der Studie.